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Süpersound

Neue CDs von Jane Birkin, Gotan Project Live und Rokia Traore

Von Johannes Paetzold

Jane Birkin: Enfants d´Hiver (Capitol)

Mit 20 Jahren spielt sie im Kultfilm “Blow Up”. Zwölf Jahre, bis zu seinem Tod lebt sie mit Serge Gainsbourg. Mit ihm stöhnt sie sich durch den Erotikschmachter "Je t aime, moi non plus“. Drei Töchter von drei Vätern, eine arbeitet als Photographin – Kate Barry, die andere beiden – Charlotte Gainsbourg, Lou Douillon – sind als Schauspielerinnen und Popsängerinnen erfolgreich. Eine Handtasche wurde nach ihr benannt und begehrtes modisches Beutestück in "Sex and the City“. Kurz, sie ist der Franzosen liebste Engländerin: Jane Birkin. Das Idol der 60er. - Wie alt ist sie inzwischen? - 62! Eigentlich wollte sie einst nach Gainsbourgs Tod der Musik entsagen, mit Enfants d´Hiver – wunderschöner Albumtitel – legt sie sich nun einmal mehr richtig ins Zeug. Eigene Texte sollen es diesmal sein, die Exkursionen des Nouvelle Chansons in Rockbereiche, das große Pathos versagt sie sich. Stattdessen wird die Geige gestrichen, die Akustikgitarre gezupft. Im Song "Aung San Suu Kyii“ engagiert sie sich auf französisch und englisch für die birmanische Friedensnobelpreisträgerin, ansonsten sieht sie sich doch eher am Fenster des Geliebten übers Leben sinnieren (Je suis au Bord de ta Fenetre). Dabei entstehen schöne Klangschalen ihrer Kunst, die sie stimmlich aber leider nicht mehr ganz ausfüllen kann.

www.janebirkin.net

Gotan Project: Live (Ya Basta)

Die Welt einfach noch einmal von hinten aufrollen. Aus dem Tango wird Go-Tan, Argentiniens Beitrag für den musikalischen Kosmos wurde vom Parisien Philippe Cohen Solal, dem Schweizer Christoph H.Müller und dem argentinischen Musiker Eduardo Makaroff in eine Jetzt-Zeit gehievt, das Folkloristische um das Elektronische erweitert. Wahrscheinlich ist es vor allem Eduardo Makaroffs musikalischer Expertise zu verdanken, dass die DJ-Remixkultur den Tango nicht mit einem 4-to-the-Floor-Discobeat glatt bügelte. Genau wie das Gotan Project sich seit dem Erfolgsalbum "La Revancha del Tango" im Studio um Authentizität müht, ist auch ihr Live-Auftritt ein sorgsam gemeißeltes Spektakel, um Bühne und komplexe Songstrukturen einander nahe zu bringen. Das wiederum spiegelt sich in "Gotan Object“, in dessen Zentrum zwei CDs mit Livemitschnitten der "Lunatico“ und "La Revancha del Tango“ -Tourneen zu hören sind. Die Klangqualität ist außerordentlich gut, die Performance auf den Punkt, wie man es von einer Live-Band, die vielfach auf Sampler und fertige Audio-Zuspiele vom Computer setzt, aber auch erwarten darf. Für die Fans vom Gotan Project gibt es das Tagebuch zur Tour, und die DVD mit den Video-Projektionen der Tournee. Mehr kann man als Gotan-Afficionado nicht erwarten, das "Projekt“ Gotan Project scheint kurz vor seinem zehnjährigen Jubiläum abgeschlossen zu sein.

www.gotanproject.com


Rokia Traore: Tchamantché (Universal France)

Sie war von Anfang ein überraschendes neues Gut in der Musikszene. Eine Frau, die die Ballade als Kunstform im westafrikanischen Text sang, trotzdem schon spürbar über die regionalen Grenzen hinaus dachte. Mit Tchamantché wird ihr musikalischer Weg nun klarer denn je, ein frankophoner Blues, der die Tradition nutzend doch nur der Künstlerin dient selten umgekehrt. Zwei Gitarren auf Tchamantche wurden Schlüsselerlebnis für Traores Suche nach Neuem, eine Silvertone, eine Gretsch Gitarre, klassische Instrumente des Blues´ auf der anderen Seite des Atlantiks. Jetzt klingt der Blues, die Ballade, wirklich "Mid-Atlantic“, lösen sich von den geographischen Verankerungen, treiben auf offener See, mit Weitblick gesteuert von Rokia Traore. Eine Interpretation eines Billie Holiday Klassikers, das Verbinden von westafrikanischem Dialekt Bamana mit Französisch und Englisch. Man spürt Tiefe und wird doch von einer gewissen Leichtigkeit geführt. Man sollte Traores wunderbares Album unter dem transatlantischem "Hör-Winkel“ aufnehmen, dies ist keine Weltmusik. Oder wenn doch, dann im wirklich universalen Sinne. Aufregend.

www.outhere.de

© 2007 Rundfunk Berlin-Brandenburg

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